Retrieval
Relevante Informationen abrufen
Das System durchsucht nur die Quellen, für die der Nutzer berechtigt ist, und wählt die besten Passagen aus.
RAG-Systeme & KI-Wissensmanagement
Ein RAG-System macht Informationen aus Dokumenten, Wikis und Datenbanken per natürlicher Frage zugänglich. Es sucht zuerst passende Textstellen und lässt die KI erst danach antworten – statt auf gut Glück zu raten.
Welches Schmiermittel braucht die Anlage MH-240 bei der 500-Stunden-Wartung?
Für die 500-Stunden-Wartung nennt der Wartungsplan das Schmiermittel L-X42. Vorher ist die Anlage drucklos zu schalten.
Wartungsplan MH-240 · Version 4.2 · Seite 18Die kurze Erklärung
Stellen Sie sich ein neues Teammitglied vor: Es kann gut formulieren, kennt aber Ihre internen Handbücher, Verträge und Prozesse nicht. Ein RAG-System übernimmt die Recherche. Es findet zu jeder Frage die passenden Seiten, legt sie dem Sprachmodell vor und fordert eine Antwort auf Basis dieser Fundstellen an.
Retrieval
Das System durchsucht nur die Quellen, für die der Nutzer berechtigt ist, und wählt die besten Passagen aus.
Augmented
Die gefundenen Textstellen werden der ursprünglichen Frage als zusätzlicher Unternehmenskontext beigefügt.
Generation
Das Sprachmodell fasst den Kontext zusammen, erklärt ihn passend zur Frage und nennt im besten Fall die Quellen.
Es reduziert unbelegte Antworten, weil relevante Quellen bereitgestellt werden. Fehler bleiben trotzdem möglich – etwa durch veraltete Dokumente, schlechte Treffer oder falsche Schlussfolgerungen. Ein belastbares System braucht deshalb Tests, Quellenangaben, Rechte und klare Grenzen.
Der vollständige Ablauf
Die Technik wirkt kompliziert, folgt aber einer klaren Logik: Wissen wird einmal gut vorbereitet. Bei jeder Frage werden dann nur die passenden Stellen gesucht und an das Sprachmodell übergeben.
Das Unternehmenswissen wird für die Suche vorbereitet.
PDFs, Handbücher, Wiki-Seiten, FAQ, SharePoint, Notion oder andere freigegebene Quellen werden angebunden.
Text wird extrahiert, Scans werden per OCR erkannt und unnötige Kopfzeilen, Dubletten oder Formatfehler werden bereinigt.
Lange Dokumente werden in sinnvolle Abschnitte zerlegt, ohne Überschriften, Tabellen oder zusammengehörige Aussagen gedankenlos zu trennen.
Jeder Abschnitt erhält eine mathematische Darstellung seiner Bedeutung und wird zusammen mit Quelle, Datum und Zugriffsrechten gespeichert.
Für jede neue Frage läuft die eigentliche Recherche.
Auch die Nutzerfrage wird in eine Bedeutungssignatur umgewandelt und – falls sinnvoll – um Suchbegriffe oder Filter ergänzt.
Semantische Suche und klassische Stichwortsuche finden gemeinsam die Abschnitte, die wahrscheinlich zur Frage passen.
Ein Reranker bewertet die engere Auswahl genauer. Unpassende oder weniger hilfreiche Treffer rutschen nach hinten.
Das Sprachmodell bekommt nur die besten Passagen und formuliert daraus eine Antwort – idealerweise mit Fundstellen und einer ehrlichen Unsicherheit.
Die wichtigsten Bausteine
Diese Begriffe beschreiben keine Magie, sondern einzelne Arbeitsschritte einer Suchmaschine für Bedeutung.
Die kleinen Bausteine, in denen ein Sprachmodell Text verarbeitet.
Ein Token ist ungefähr ein Wortteil. Lange Dokumente bestehen aus sehr vielen Tokens. Würde man bei jeder Frage sämtliche Dokumente mitsenden, wäre das langsam, teuer und unübersichtlich. RAG wählt deshalb zuerst die relevanten Ausschnitte aus.
Sinnvolle Textabschnitte, die einzeln gefunden werden können.
Ein Chunk kann ein Absatz, ein Kapitelteil, eine Tabellenzeile oder eine Produktbeschreibung sein. Er sollte groß genug für den Zusammenhang und klein genug für eine präzise Suche sein. Die ideale Größe hängt vom Dokumenttyp und der Frage ab – eine starre Zahl funktioniert selten überall.
Zahlenfolgen, die sprachliche Bedeutung vergleichbar machen.
Ein Embedding-Modell übersetzt Text in einen Punkt in einem mehrdimensionalen Bedeutungsraum. Ähnliche Inhalte liegen dort näher beieinander. So kann das System auch „Kündigungsfrist“ finden, wenn jemand nach „Wie lange vorher muss ich absagen?“ fragt. Ein Embedding ist keine Verschlüsselung; sensible Daten brauchen weiterhin Schutz.
Der Suchindex für Embeddings und ihre Metadaten.
Sie speichert die Bedeutungsvektoren und findet schnell ähnliche Passagen. Häufig liegt sie neben oder direkt in einer normalen Datenbank. Zur Passage gehören außerdem Titel, Dokument, Abteilung, Versionsdatum und Zugriffsrechte.
Bedeutungssuche plus exakte Stichwortsuche.
Semantische Suche versteht Sinnzusammenhänge. Klassische Volltextsuche wie BM25 ist stark bei Artikelnummern, Namen und exakten Begriffen. Hybrid Search verbindet beide Trefferlisten, damit weder Bedeutung noch Präzision verloren gehen.
Eine zweite, genauere Bewertung der Suchtreffer.
Die erste Suche arbeitet schnell und breit. Der Reranker vergleicht danach die wichtigsten Kandidaten genauer mit der Frage. So landet die tatsächlich hilfreiche Passage eher ganz oben, bevor das Sprachmodell antwortet.
Ein konkretes Beispiel
Ein Servicetechniker sucht nicht nach einem allgemeinen Thema, sondern nach einer belastbaren Antwort für eine konkrete Anlage. Das System muss exakte Kennungen und inhaltliche Zusammenhänge gleichzeitig beherrschen.
„Welches Schmiermittel braucht MH-240 bei der 500-Stunden-Wartung und welche Sicherheitsvorbereitung gilt?“
Die Stichwortsuche erkennt die exakte Kennung „MH-240“. Die semantische Suche findet Passagen zu Wartungsintervall, Schmierung und Druckentlastung, auch wenn die Formulierung abweicht.
Nur Dokumente zur Produktlinie MH, freigegebene Serviceunterlagen und die jeweils gültige Version werden berücksichtigt.
Ein allgemeiner Schmierplan wird niedriger bewertet als die konkrete Passage im Wartungshandbuch der Anlage.
Das System nennt Schmiermittel und Vorbereitung, verlinkt das gültige Handbuch und weist bei widersprüchlichen Quellen auf die notwendige Prüfung hin.
Best Practices aus der Umsetzung
Die Wahl des Sprachmodells ist nur ein Baustein. In der Praxis entscheiden Quellen, Chunking, Suchlogik, Berechtigungen und Tests darüber, ob ein RAG-System nützlich oder nur beeindruckend aussieht.
Nicht „Wir brauchen eine Vektordatenbank“, sondern: Welche wiederkehrenden Fragen kosten heute Zeit, Geld oder Qualität? Daraus entsteht der erste klar messbare Anwendungsfall.
Veraltete, widersprüchliche oder schlecht gescannte Dokumente werden durch ein größeres Modell nicht wahr. Erst bereinigen, versionieren und Zuständigkeiten klären.
Überschriften, Absätze, Tabellen, FAQ-Paare und Produktgrenzen sind bessere Trennstellen als blind alle 500 Zeichen zu teilen. Etwas Überlappung kann Zusammenhänge erhalten.
Abteilung, Dokumenttyp, Produkt, Sprache, Datum, Version und Berechtigung machen aus einer groben Suche ein steuerbares Wissenssystem.
Produktcodes, Vertragsnummern und Eigennamen brauchen oft Stichwortsuche. Freie Fragen profitieren von Embeddings. In vielen Projekten ist die Kombination stärker.
Das System darf vertrauliche Passagen nicht erst finden und danach verstecken. Zugriffsfilter gehören möglichst früh in den Suchprozess.
Eine gute Antwort nennt ihre Fundstellen. Gibt es keine ausreichende Grundlage, soll der Assistent nachfragen oder offen sagen, dass keine belastbare Antwort vorliegt.
Ein fester Katalog aus typischen, schwierigen und bewusst unbeantwortbaren Fragen prüft Trefferqualität, Quellen, Vollständigkeit und erlaubtes Verhalten vor jedem Rollout.
Neue Versionen müssen neu indexiert, alte Inhalte entfernt und gelöschte Quellen zuverlässig aus dem Suchindex gelöscht werden. Sonst antwortet das System aus der Vergangenheit.
Reranker, Agenten oder Knowledge Graphs sind wertvoll, wenn Messwerte ihren Nutzen zeigen. Ein sauberer Basispilot ist oft der bessere Ausgangspunkt als eine überladene Architektur.
Nicht jedes Problem ist ein RAG-Problem
Die beste Architektur ist die einfachste, die den konkreten Fall zuverlässig löst. Diese Einordnung verhindert unnötige Komplexität.
| Ansatz | Besonders sinnvoll für | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| RAG-System | Viele oder regelmäßig aktualisierte Dokumente, wiederkehrende Fragen und nachvollziehbare Quellen. | Benötigt saubere Quellen, Suchqualität, Rechtekonzept und laufende Pflege. |
| Datei direkt in Chat hochladen | Einmalige Analyse eines bekannten, überschaubaren Dokuments. | Für viele Quellen, wiederkehrende Nutzung und differenzierte Rechte schnell unhandlich. |
| Fine-Tuning | Stil, Format oder ein wiederkehrendes Antwortverhalten trainieren. | Keine ideale Wissensdatenbank; Quellen lassen sich schwerer aktuell halten oder belegen. |
| Klassische Datenbank / SQL | Exakte, strukturierte Fakten wie Status, Preise, Mengen oder Kundendaten. | Freie Texte und unterschiedlich formulierte Fragen brauchen zusätzliche Suchlogik. |
| Knowledge Graph / GraphRAG | Komplexe Beziehungen und Fragen über mehrere miteinander verbundene Fakten. | Mehr Modellierungs-, Betriebs- und Evaluationsaufwand; nicht für jeden Einstieg nötig. |
Einsatz im Unternehmen
Der größte Nutzen entsteht dort, wo Menschen dieselben Informationen immer wieder suchen, erklären, prüfen oder in andere Prozesse übertragen.
Mitarbeitende fragen nach Richtlinien, Abläufen oder Zuständigkeiten und erhalten eine verständliche Antwort mit Verweis auf die Originalquelle.
Handbücher, Wartungspläne, Fehlercodes und Serviceberichte werden gemeinsam durchsuchbar – auch wenn Nutzer anders formulieren als das Dokument.
Freigegebene Leistungsbausteine, Referenzen, Produktdetails und Altangebote liefern Kontext für schnellere, konsistentere Angebotsentwürfe.
SOPs, Prüfanweisungen und Verfahrensdokumente werden leichter auffindbar. Versionsstand und Quelle bleiben sichtbar.
Neue Kolleginnen und Kollegen können wiederkehrende Fragen selbst stellen, ohne dass erfahrene Teammitglieder jedes Detail erneut erklären müssen.
Ein Assistent beantwortet freigegebene Produkt- und Servicefragen. Bei fehlender Evidenz oder sensiblen Fällen übergibt er an einen Menschen.
Auch ein Sprachassistent kann dieselbe geprüfte Wissensbasis verwenden, statt Antworten allein aus dem allgemeinen Modellwissen zu erzeugen.
Protokolle, Verträge, Projektdokumente und Entscheidungen lassen sich über natürliche Fragen durchsuchen und bis zur Fundstelle zurückverfolgen.
Datenschutz und Sicherheit
RAG verarbeitet häufig wertvolles internes Wissen. Datenschutz ist deshalb keine spätere Checkbox, sondern Teil der Architektur. Die konkrete Lösung richtet sich nach Schutzbedarf, IT-Landschaft und den organisatorischen Vorgaben Ihres Unternehmens.
Suchergebnisse werden nach Nutzer, Team oder Dokumentklasse gefiltert.
Cloud, EU-Hosting, eigene Infrastruktur oder hybride Varianten werden passend bewertet.
Fragen, Treffer und Systemfehler können für Qualität und Missbrauchserkennung nachvollziehbar erfasst werden.
Gelöschte oder ersetzte Inhalte müssen auch aus Suchindex, Cache und Backups nach dem vorgesehenen Prozess verschwinden.
Schutzbedarf, Vertrag, Datenverarbeitung und Exportierbarkeit bestimmen die technische Auswahl.
Rechtliche, medizinische, finanzielle oder sicherheitskritische Antworten brauchen definierte Prüf- und Eskalationswege.
Vom Pilot zum produktiven System
Wir starten bewusst klein, messen die Qualität und erweitern erst dann. So zeigt der Pilot, ob die Datenlage und der konkrete Anwendungsfall den Aufwand rechtfertigen.
Readiness Check
Wir inventarisieren Wissensquellen, Nutzergruppen, Rechte und die 20 bis 50 wichtigsten Testfragen. Das Ergebnis ist ein realistischer Pilotvorschlag.
Pilot
Eine begrenzte Quellensammlung wird aufbereitet, indexiert und in einem nutzbaren Assistenten getestet – inklusive Quellen und erster Qualitätsmessung.
Härtung
Chunking, Hybrid Search, Metadaten, Reranking, Fehlverhalten und Berechtigungen werden anhand echter Fragen verbessert und dokumentiert.
Rollout
Nach erfolgreichem Pilot folgen weitere Quellen, Nutzergruppen, Schnittstellen, Monitoring sowie klare Verantwortlichkeiten für Aktualisierung und Pflege.
Unser Ansatz
Brose Media bietet RAG-Systeme als neue, fokussierte Leistung an. Wir versprechen keine unfehlbare „Unternehmens-KI“, sondern entwickeln einen überprüfbaren Pilot mit echten Fragen, klaren Quellen und messbarer Trefferqualität. Wo ein einfacherer Ansatz reicht, sagen wir das offen.
Häufige Fragen
RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Das System sucht zuerst passende Informationen in freigegebenen Unternehmensquellen und gibt diese Fundstellen anschließend an ein Sprachmodell. Das Modell formuliert daraus eine verständliche Antwort.
Nein. RAG kann erfundene oder unbelegte Antworten deutlich reduzieren, aber nicht vollständig ausschließen. Suchfehler, schlechte Quellen oder falsche Schlussfolgerungen bleiben möglich. Deshalb sind Quellenangaben, Tests, klare Grenzen und menschliche Freigaben bei kritischen Themen wichtig.
Nein. Für ein einzelnes bekanntes Dokument oder eine einmalige Auswertung ist das direkte Hochladen oft einfacher. RAG lohnt sich vor allem bei vielen Quellen, häufigen Fragen, wechselnden Dokumenten oder mehreren Nutzergruppen.
Embeddings sind Zahlenfolgen, die die Bedeutung eines Textes mathematisch darstellen. Dadurch kann eine Suche inhaltlich ähnliche Passagen finden, auch wenn Frage und Dokument nicht dieselben Wörter verwenden.
Es gibt keine universelle Zahl. Ein FAQ-Eintrag, eine Tabelle und ein technisches Kapitel brauchen unterschiedliche Grenzen. Entscheidend ist, dass der Chunk genug Kontext enthält, aber präzise auffindbar bleibt. Die Qualität wird mit realen Testfragen gemessen.
Ja, wenn Berechtigungen sauber in der Architektur und in den Metadaten abgebildet werden. Ein Mitarbeiter sollte nur Dokumente finden können, die er auch im Quellsystem sehen darf. Das muss technisch getestet und organisatorisch gepflegt werden.
Typische Quellen sind PDFs, Office-Dateien, Wikis, SharePoint, Notion, Websites, FAQ, Produktdatenbanken, Tickets und freigegebene E-Mails. Welche Anbindung sinnvoll ist, hängt von Datenqualität, Rechten und Aktualisierungsbedarf ab.
Nicht zwingend. Je nach Schutzbedarf, Budget und IT-Landschaft kommen europäische Cloud-Dienste, eigene Infrastruktur oder Mischformen infrage. Wichtig ist eine konkrete Datenschutz- und Sicherheitsprüfung statt eines pauschalen Versprechens.
Mit einem begrenzten Pilot: eine Nutzergruppe, ein klarer Fragenkatalog und eine überschaubare Quellensammlung. Erst wenn Trefferqualität, Nutzen, Rechte und Pflege funktionieren, wird auf weitere Abteilungen oder Quellen erweitert.
Nächster Schritt
Bringen Sie zwei oder drei typische Wissensfragen und einen Überblick über Ihre Quellen mit. Im Erstgespräch ordnen wir ein, ob ein RAG-Pilot sinnvoll ist – oder ob eine einfachere Lösung besser passt.